Depressionen in Familien kinderleicht erklärt – Claudia Gliemann überzeugt auf ihrer Lesung

Expertinnen der LWL-Klinik Herten und des Caritasverbandes stellen sich den Fragen aus dem Publikum

Auf dieser Lesung im Glashaus Herten am vergangenen Dienstag (24.8.) standen die Gefühle und die „Erkrankung der Gefühle“ im Mittelpunkt: Auf Einladung der Stadtbibliothek, des Caritasverbandes und der LWL-Klinik in Herten war die Autorin Claudia Gliemann aus Karlsruhe angereist, um mit leisen Tönen und sehr gefühlvoll aus ihrem Buch „Papas Seele hat Schnupfen“ zu lesen. Mit ihrer Kinderbuch-Erzählung, den Gitarrenklängen und dem Gesang beeindruckte sie nicht nur die Gäste im Publikum, sondern auch die Fachleute.

In der Geschichte von Claudia Gliemann dreht sich alles um die kleine Zirkusartistin Nele, deren Vater an einer Depression erkrankt ist. Einfühlsam lässt sie Nele erzählen, wie sich die Krankheit langsam entwickelt hat, und vor allem auch, was ihrem Vater geholfen hat, damit es ihm wieder besser geht. Der Dumme August erklärt Nele, dass ihr Vater eine Krankheit der Seele hat und dass die Seele genauso krank werden kann wie der Körper.

Seit 2017 ist Claudia Gliemann mit ihrem Buch in einem gemeinsamen Projekt mit AOK und Deutscher DepressionsLiga e.V., einem bundesweiten Verband von Betroffenen, in ganz Deutschland auf musikalischer Lesereise. Ihr Buch „Papas Seele hat Schnupfen“ wurde vielfach ausgezeichnet.

Die Zuhörerinnen und Zuhörer zeigten sich sehr ergriffen und aufgeschlossen für das Thema Depression in Familien. In der anschließenden Diskussion beantworteten Dr. Beate Cichon-Feldmann (Fachärztin in der Mutter-Kind-Einheit der LWL-Klinik Herten für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatische Medizin) und Claudia Müller (Leiterin des Familienbüros des Caritasverbandes Herten und des Diakonischen Werkes im Kirchenkreis Recklinghausen) die vielen Fragen aus dem Publikum. Moderiert wurde die Runde durch Freia Lukat (Caritas Netzwerk). Deutlich wurde, dass mit dem Jugendamt, der psychologischen Beratungsstelle, dem Familienbüro und dem Angebot der LWL-Klinik Herten zwar Anlaufstellen existieren, aber ein spezielles Angebot für Kinder noch fehlt. Wichtig sei es daher, dass das Umfeld die Rolle des "August" aus dem Buch übernehmen und hellhörig und sensibel reagieren sollte, wenn in Familien z. B. im Bekanntenkreis etwas auffällt und Kinder möglicherweise sogar erzählen.

Fazit: Eine Fortsetzung der Veranstaltungsreihe mit Themen rund um Psyche und psychosoziale Versorgung ist in Planung.