Farbkonzept für den Multifunktionsraum der A1: Warmes Rot für Ruhe und Geborgenheit

Satt und warm leuchtet das Rot der Wand. In Betrachtung der Wand scheinen die eigenen Gedanken ruhiger zu fließen. Fast ist es, als würden die Gedanken auf eine Reise entlang der wolkigen Struktur gehen, die Guido Elfers mit Hilfe eines Naturschwammes auf die Wand gezaubert hat. Man entspannt ganz unwillkürlich in diesem Raum. Zunächst kaum vorstellbar, aber der rote Farbton, den der Genesungsbegleiter für zwei Wände im Multifunktionsraum der Station A1 gewählt hat, vermittelt Ruhe und Geborgenheit.

„Was würde ich gerne sehen?“ – Mit dieser Frage ist Guido Elfers an die Gestaltung des Raumes gegangen. Früher hat er als Malermeister gearbeitet, beherrscht die Techniken noch immer. Als Genesungsbegleiter kennt Elfers die Nöte und Ängste der Patienten ganz genau, wenn sie vor sich selbst geschützt werden müssen. Und er weiß um die Kraft der Farben. „Blau und Grün wirken angeblich auch ruhig, sind aber auf jeden Fall eher kalte Farben. Man sieht das ja oft im medizinischen Bereich, etwa im OP. Da wird viel Grün getragen“, bemerkt Elfers. Zweckmäßig sei das, gibt er zu, aber schön auf keinen Fall.

Als er hörte, dass der Mehrzweckraum auf der A1 renoviert werden sollte, bot er seine Hilfe an. Früher hatte der Raum weiße Wände und wirkte unpersönlich. Hier werden unter anderem psychiatrische Notfälle behandelt, bei denen ein hohes Verletzungsrisiko für den Patienten selbst oder andere Menschen besteht. „Oft haben die Betroffenen eh schon das Gefühl, die ganze Welt sei gegen sie“, so Guido Elfers. „Da können warme Farben eine beruhigende Wirkung haben.“ Er weiß, wovon er spricht. „Als Betroffener war ich selbst schon einmal in einer ähnlichen Situation und habe mir in den kahlen Räumen vor allem eines gewünscht: Wärme.“ Die nackten weißen Wände hätten sie ihm damals nicht gegeben, erinnert sich Guido Elfers.

Neben den warmen roten Wänden weckt das blaue Farbband an der Decke Erinnerungen an den Himmel. Aus der Ecke leuchtet eine gelbe Sonne. Und zum Boden hin wurden zwei Wände erdig braun gestaltet. Vier Tage war Guido Elfers beschäftigt, wurde dabei von seiner neuen Kollegin Elena-Maria Galisteo-Ripoll unterstützt, die wiederum mit Hilfe von Patienten einen Teil des Flures und einen Aufenthaltsraum neu gestaltet. In dem Raum ist nur eine Wand weiß geblieben. Nicht nur, weil hier künftig Bilder hängen sollen. Sondern auch um einen ganz besonderen Effekt zu erzielen, erzählt Guido Elfers. Je nach Lichteinfall durch die großen Fenster wirft eine der roten Wände einen leichten Farbschimmer auf die eigentlich weiße Wand. Aus weiß wird so orange, fast als würde sich der Sonnenaufgang an der Wand spiegeln.

(aus dem EinBlick 1/2021)

Gastautor: Cornelius Dally