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Freiwillig in der Psychiatrie

Freiwillig in der Psychiatrie

Warum sich soziales Engagement lohnt – Junge FSJlerinnen berichten

(23/2/22) Als Selin Altunkaya nach dem Abitur entscheidet, ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) in der LWL-Klinik Herten zu leisten, waren Freundeskreis und Familie erst einmal in Sorge. Ist das nicht belastend? Hast du keine Angst? Warum ausgerechnet Psychiatrie? Mit solchen und ähnlichen Fragen sah sie sich auf einmal konfrontiert. Und war verwundert. „Ich habe festgestellt, dass in Sachen Psyche immer noch Klischees vorherrschen und die Menschen Vorbehalte haben“, schildert die junge Frau ihre ersten Eindrücke.

Selin Altunkaya ließ sich nicht beirren und erzählt im Rückblick, dass das FSJ in der LWL-Klinik die beste Entscheidung war. „Ich wollte unbedingt hierhin. Ich wollte wissen, was mich erwartet, wenn ich später mit Menschen zusammenarbeite, die in ihrem Leben psychisch erkranken“, sagt sie überzeugt. „Das Jahr hat mich sehr darin bestärkt, Psychologie zu studieren.“

Ihr Abitur baut die 19-Jährige mitten in Corona. Sie erlebt die Epidemie als eine Zeit, in der auch in ihrem unmittelbaren Umfeld viele Menschen psychisch an ihre Grenzen geraten und sich verändern. Es bewegt sie, dass Ereignisse im Leben einen solchen Einfluss haben. Wie es sie überhaupt interessiert, was Wahrnehmungen mit einem Menschen machen, warum er so ist, wie er ist, und welche Rolle das Gehirn dabei spielt.

Sie verbringt das FSJ schließlich auf der Kognitionsstation/A5, überwindet ihre anfängliche Scheu recht schnell und packt an. Hört auch zu, leidet nicht mit, sondern fühlt mit. „Ich habe hier sehr viel gelernt, auch Abstand zu gewinnen, und weiß, dass es großartig ist, wenn die Menschen es bis hierhin geschafft haben“, freut sich Selin Altunkaya. „Mir wird gesagt, dass ich sehr viel selbstbewusster und offener geworden bin, und das gibt mir sehr viel.“

Auch Christine Neudeck, ebenfalls 19 Jahre alt, suchte nach mehr Erfahrungen im Umgang mit Menschen. „Das Schulpraktikum in einem somatischen Krankenhaus ließ dies kaum zu. Wahrscheinlich war ich zu jung“, erinnert sie sich. „Das Deutsche Rote Kreuz, das für die Freiwilligendienste zuständig ist, hat mich beraten, und schnell stand für mich fest, dass ich hier in der LWL-Klinik arbeiten möchte.“

Erfahrungen sammelt die FSJlerin nun auf der Mutter-Kind-Station. Sie greift unter die Arme, fühlt sich gefordert. „Ich sehe, dass meine Arbeit sehr sinnvoll ist“, so Christine Neudeck, die im August nach ihrem Abitur hier gestartet ist. Manchmal falle es ihr schwer zu sehen, dass es den jungen Müttern nicht gut gehe. Aber sie habe den Umgang damit gelernt. Und so neu sei das Thema für sie nun auch nicht. Im eigenen Freundes- und Bekanntenkreis erlebe sie, dass Menschen psychisch erkranken. „Es ist wichtig, empathisch zu sein. Im Leben nichts abzutun“, erzählt sie. „Jeder bzw. jede kann in eine seelische Krise geraten.“ Sie ist sich nun auch sicher, was sie nach dem FSJ studieren möchte: Sozialarbeit. Erfahrungen hat sie längst schon gesammelt.

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Mit Empathie und Freude ins FSJ: Christine Neudeck ist auf der Mutter-Kind-Station im Einsatz.